Riesenkaninchenzucht hat eine lange Tradition - auch im Westerwald. Züchten bedeutet das Erbbild eines Tieres nach dem vorgegebenen Zuchtziel zu verändern und zu festigen. Die Genetik hilft uns hierbei, aber ohne Fingerspitzengefühl und auch manchmal etwas Glück wird man nicht erfolgreich sein. Manche Züchter vertreten z.B. die Ansicht, Fehler seien durch entgegengesetzte Merkmale auszugleichen. Dies stimmt nur bei polyfaktorieller Vererbung. Ein in der Literatur häufig angeführtes Beispiel ist die nach links gerichtete Blume, die mit einem Tier, das eine nach rechts getragene Blume hat, ausgeglichen werden kann. Der Versuch wird fehlschlagen. Der Fehler ist nicht ausgeglichen, es ist aber eine neue Spalterbigkeit hinzugekommen.
Eine geeignete Methode wäre die Verdrängungszucht. Man kreuzt ein fehlerhaftes Tier mit einem fehlerfreien und verwendet nur die fehlerfreien Tiere für die Zucht. Wenn man dann die Übrigen auf das einwandfreie Elterntier zurückpaart und dies so lange wiederholt, bis alle fehlerhaften Merkmale überwunden sind, dann hat man den Fehler verdrängt.
Als moderne Zuchtmethode gilt die Linienzucht. Wenn es schief geht, dann war es Inzucht und wenn man Erfolg hat, dann war es Linienzucht. Wir betreiben gemäßigt Linienzucht. Wir kaufen aber auch immer wieder gute Zuchttiere dazu und probieren so die Zucht unserer Riesenkaninchen immer weiter zu verbessern.
Bei der Riesenzucht kommt es aber nicht nur auf den Standard an. Natürlich sollte ein Zuchttier dem Standard möglichst nahe kommen und natürlich möchte man auf Ausstellungen auch erfolgreich sein. Es kommt in der Zucht aber auch auf andere Werte an. Gerade von Riesenkaninchen erwarten wir große Würfe, gute Milchleistung und eine gute Futterverwertung. Diese Eigenschaften kann der Preisrichter nicht messen. Trotzdem sollte gerade diesen Eigenschaften mehr Beachtung geschenkt werden. Gute Riesen, die im Alter von 6 Monaten 7 kg auf die Waage bringen, zeigen in die richtige Richtung.