Zuchtgeschichte

Obwohl es viele kaum glauben können, auch unsere Riesenkaninchen stammen vom Wildkaninchen ab und nicht vom Hasen. Hasen und Wildkaninchen haben unterschiedliche genetische Strukturen und Lebensformen. Ein Wildkaninchen wiegt ca. 1,5 bis 2,5 kg und ein Hase erreicht ein Gewicht von bis zu 7 kg. Kaninchen leben in selbst gegrabenen Bauten, Hasen auf offenem Feld. Kaninchen bringen ihre sechs bis sieben Jungen in der Sicherheit des Baus zur Welt, blind und nackt. Hasen gebären in der „Sasse" — einer Kuhle am Rande des Ackers, und ihre zwei bis drei Jungen haben Fell, können sehen und bald auch fliehen.

Ein Riesenkaninchen hat ein Normalgewicht von über 7 kg - das Höchstgewicht ist auf 11,5 kg festgelegt. Man findet in der Praxis jedoch kaum Tiere, die mehr als 10 kg auf die Waage bringen.

Im Volksmund wurden die Deutschen Riesen oft als Belgische Riesen bezeichnet und so ganz falsch ist das auch gar nicht. Das Riesenkaninchen stammt aus der belgischen Provinz Flandern. Wie die Rasse hier entstanden ist, weiß man nicht genau. Wahrscheinlich ist, dass dieses größte Kaninchen uns durch eine Laune der Natur, etwa durch eine Mutation geschenkt worden ist.

Die ersten Riesenkaninchen kamen zwischen 1880 und 1890 nach Deutschland. Sie hatten hasengraue Felle, die oft noch mit weißen Abzeichen durchsetzt waren (Blesse). Diese Tiere wogen damals so ca. 4 bis 5 kg. Die deutschen Züchter legten Wert auf rein graue Felle und züchteten erfolgreich eine größere Körperlänge heraus. Das Riesenkaninchen wurde dann zusammen mit einigen anderen Rassen in den ersten deutschen Standard aufgenommen. Es wurde in erster Linie versucht, durch Züchtung auf Körperlänge, das Gewicht der Tiere weiter zu erhöhen. Erst später erkannte man, dass eine übermäßige Körperlänge zu krankhaften Veränderungen führen kann.

Karl Julius Lohr ist der Begründer der Rassekaninchenzucht in Deutschland. Er gründetet im April 1880 den ersten Rassekaninchenzuchtverein in Deutschland mit dem Gedanken Kaninchenfleisch zur Volksnahrung zu machen. Die erste Ausstellungs- bzw. Werbeschau organisierte Julius Lohr zusammen mit seinen Vereinsfreunden im Jahre 1881 in Chemnitz. Mit großem Interesse wurde diese von der Bevölkerung besucht. Karl Julius Lohr entwickelte auch das heutige Preisrichter- und Bewertungssystem. Als erster Preisrichter bewertete er nach der 100 Punkte Regelung die noch heute ihre Gültigkeit hat.

Um 1930 erreichte die Riesenzucht ihren Höhepunkt. Es erfolgte dann die Trennung in Wirtschafts- und Sportrassen und man erkannte den Riesenkaninchen den umstrittenen Status als Wirtschaftsrasse ab. Hierdurch entfiel die Förderung durch den Staat und die Riesenkaninchen wurden weniger. Über die Kriegs- und Nachkriegszeit kamen sie aber gut hinweg. Heute kann man die Deutschen Riesen in erstaunlicher Anzahl und guter Qualität auf den meisten Ausstellungen sehen.

Siegfried Hubert
Rassekaninchenzucht im Westerwald