Fütterung der Riesen

Schon oft wollte ich meine Fütterungsweise detailliert beschreiben und veröffentlichen, damit andere, besonders Zuchtanfänger daran teilhaben können. Dies ist aber eigentlich gar nicht möglich, weil meine Fütterung immer etwas anders ist.

„Das Auge des Herrn füttert das Vieh." Dieses alte Sprichwort hat m.E. nach wie vor Bedeutung. Man muss den Tieren gewissermaßen ansehen lernen, was sie brauchen. Wie kann man das lernen? Man sollte sich theoretisch mit dem Verdauungssystem der Tiere und den verschiedenen Futtermitteln vertraut machen und man muss Erfahrungen sammeln und so im Laufe der Zeit ein „Auge" dafür entwickeln, wie eine für den gegenwärtigen Zustand der Tiere optimale Futterzusammensetzung aussehen könnte. Ohne Erfahrungen und tägliche intensive Beobachtung der Tiere wird man wenig erfolgreich sein. Zuchtanfänger brauchen hier die Unterstützung der „alten Hasen".

Nur mit Heu und Gras kann man keinen Riesen füttern. Die Tiere brauchen schon etwas gehaltvolleres Futter. Schließlich müssen sie verglichen mit den kleineren Rassen in fast gleicher Zeit ein Gewicht von ca. 8 kg oder mehr erreichen. Eine Pelletfütterung zur freien Aufnahme gibt es bei uns allerdings nicht. Im Rahmen einer artgerechten Fütterung werden pelletierte Mischungen von uns vernachlässigt. Wir mischen unser Futter selbst und verfüttern auch Produkte aus unserem Garten, wobei wir keine Zusätze im Trinkwasser und keine vorbeugenden Kräutertinkturen oder Medikamente verwenden. Ein Riese muss auch ein guter Futterverwerter sein. Tiere, die bei unserer Fütterung die gewünschten Gewichte nicht erreichen, werden der Schlachtung zugeführt.

Unsere Riesenkaninchen werden drei Mal täglich gefüttert. Morgens bekommen sie eine Handvoll Futter. Nachmittags, ca. zwei bis drei Stunden vor der eigentlichen Fütterung bekommen sie Heu. Abends wieder etwas Futter und noch einmal etwas Heu. Manchmal dazu noch Möhren, Kräuter, etc. Im Sommer gibt es außerdem täglich frisch gemähtes Grünfutter aus unserem Garten.

Als Pflanzenfresser haben Kaninchen ein kompliziertes Verdauungssystem, das relativ störanfällig ist. Die Tiere haben einen nur schwach bemuskelten Magen, der zum Weitertransport der Nahrung in den Darm nur wenig beitragen kann. Es kann sich nicht übergeben. Es muss immer wieder Nahrung aufgenommen werden, damit das nachdrängende Futter den Nahrungsbrei in den Darm weiterschieben kann. Dies müssen wir bei der Fütterung unbedingt berücksichtigen, wenn wir Krankheiten vermeiden wollen.

Eine krasse Futterumstellung sollte man bei Kaninchen immer vermeiden. Dies überfordert die Darmflora und kann zu Ernährungsstörungen bis hin zum Tod der Tiere führen. Verdauungsstörungen, zu denen die Enterocolitis zählt, können viele Ursachen haben. Oft sind es Fütterungsfehler, die man vermeiden kann.

Heu ist besonders wichtig. Ohne Heu läuft in der Rassekaninchenzucht gar nichts. Sie benötigen es das ganze Jahr über – auch im Sommer. Wir verwenden bevorzugt den strukturstarken ersten Schnitt ab Ende Juni geerntet. Das Heu sollte grobe Fasern und grobe Halme aufweisen. Dann wird es von den Tieren lieber gefressen und es ist dann auch gesünder als weiches Heu. Früh gemähtes Gras ist für Rinder gut, für Kaninchen und Pferde aber eher schlecht.

Wir füttern eigentlich morgens und abends. Um zu erreichen, dass mehr Heu gefressen wird, geben wir nachmittags – also vor der eigentlichen Fütterung Heu. Auf diese Weise haben die Tiere vor der eigentlichen Fütterung schon etwas gefressen und schlingen das gehaltvolle Futter nicht ganz so gierig in sich hinein. Es wird deutlich langsamer gefressen. Außerdem bekommen sie dann noch eine kleine Handvoll gutes selbst gemachtes Heu. Dies wird in jedem Fall gefressen. Im Sommer gibt es für unsere Riesen fast täglich Grünfutter - frisch mit der Sense gemäht. So macht Füttern Spaß und die Tiere sind gesund.    

Siegfried Hubert
Rassekaninchenzucht im Westerwald