Heuernte           

Wir machen einen Teil unseres Heues selber. Warum? Weil wir Freude daran haben und weil wir so gutes Heu kaum kaufen können. Empfehlenswert ist Heu vom ersten Schnitt ab Juni geerntet. Der erste Schnitt enthält mehr Struktur als der zweite Schnitt.

Früh gemähtes Gras ist für Rinder gut, für Kaninchen und Pferde aber eher schlecht. Das Gras wird geschnitten und zweimal pro Tag gewendet. Drei bis vier niederschlagsfreie Tage sind nötig bis das Heu trocken genug ist zum Einbringen. Frisches Heu darf nicht gleich verfüttert werden, da es einen Gärprozess durchläuft. Erst nach ca. sechs Wochen ist es für die Kaninchen bekömmlich.  

Was ist eigentlich gutes Heu? Heu soll eine grünliche Farbe haben, keine Schimmelstellen aufweisen, nicht staubig sein, etc. Das wissen wir alles. Und trotzdem: Ich empfehle mal folgenden kleinen Versuch: Hierzu benötigt man allerdings etwas handgemachtes Heu. Gib mal den Tieren ganz normal ihr Futter, dazu noch gutes normales Heu vom Bauern. Das Heu hierbei nicht in Raufen gereicht, sondern einfach in den Stall gestreut. Das Kaninchen wird natürlich von dem Heu fressen und sich die besten Halme heraussuchen. Es hat eigentlich alles was es braucht. Und wenn man jetzt eine Handvoll handgemachtes Heu in den Stall legt wird das Tier mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit dieses Heu fressen und alles andere – auch das Kraftfutter – liegen lassen. Wie kann das sein? Was ist denn hier eigentlich anders? Ist es nicht letztlich alles einfach nur vertrocknetes Gras? Scheinbar nicht. Es gibt hier weit mehr zu beachten als man oft glaubt.

Bei uns wird das Gras relativ spät mit der Sense gemäht. Dies geschieht je nach Witterung meist so Ende Juni bis Anfang Juli - nicht früher. Wir brauchen ein stabiles Hochdruckgebiet mit mindestens drei Tagen Sonnenschein. Das Gras wird drei Mal täglich von Hand gewendet. Wenn es etwas angetrocknet ist, lässt sich das werdende Heu auf der Wiese gewissermaßen aufstellen. Hierdurch trocknet nicht nur die Sonne, sondern auch der Wind. Am dritten Tag bringen wir das Heu dann mit einer Forke ein.

Weil wir natürlich für unsere Riesen deutlich mehr Heu brauchen als wir in unserem Garten ernten können, kaufen wir in jedem Jahr Heu von einem Bauern in unserer Nähe dazu. Dieses Heu ist gut. Es duftet nach Heu, es ist trocken, es enthält Kräuter … und doch wird unser Heu viel lieber gefressen.  

Das Heu vom Bauern wird natürlich maschinell hergestellt. Es wird mit dem Traktor gemäht und dann mehrmals gewendet. Hierbei wird das Gras von den großen Traktoren regelrecht durch die Luft geschleudert. Es verteilt sich gut und es wird gut trocken, aber es gehen hierbei schon die kleinen wertvollen Blättchen verloren. Dann wird das Heu auf dem Feld in Ballen gepresst und eingelagert. Wenn man davon ausgeht, dass der Schnittzeitpunkt richtig gewählt wurde, das Heu gut getrocknet ist und die Wiese viele Kräuter aufweist, dann haben wir gutes Heu. Trotzdem fressen es unsere langohrigen Heugourmets nicht so wirklich gerne.

Wir müssen dafür sorgen, dass die Tiere ausreichend Heu fressen. Der Magen-Darm-Trakt der Kaninchen ist relativ lang und sie haben einen sogenannten „Stopfmagen“. Das heißt, dass die Tiere immer wieder fressen müssen, damit die Nahrung im Darm weitertransportiert werden kann. Denn im Gegensatz z.B. zu uns Menschen haben Kaninchen kaum Magenmuskulatur. Zu wenig Rohfaser führt dazu, dass sich schädliche Darmbakterien vermehren können, was zu schweren Verdauungsstörungen führen kann. Dies müssen wir durch gezielte Fütterung versuchen zu vermeiden.

Wir füttern eigentlich morgens und abends. Um zu erreichen, dass mehr Heu gefressen wird, geben wir nachmittags – also vor der eigentlichen Fütterung Heu. Auf diese Weise haben die Tiere vor der eigentlichen Fütterung schon etwas gefressen und schlingen das gehaltvolle Futter nicht ganz so gierig in sich hinein. Es wird deutlich langsamer gefressen. Außerdem bekommen sie dann noch eine kleine Handvoll gutes selbst gemachtes Heu. Dies wird in jedem Fall gefressen.

Diese Art der Fütterung ist natürlich etwas aufwändiger, aber wir haben keine Probleme mit Jungtierverlusten. Natürlich ist dies nicht nur auf unsere veränderte Art der Heufütterung zurückzuführen. Wir haben auch unsere gesamte Fütterung umgestellt. Wir verwenden natürliche Komponenten in hoher Qualität. Diese Art der Fütterung ist teurer und aufwändiger, aber sie ohnt sich trotzdem. Es ist letztlich günstiger wenn man keine Verluste hat und es macht auch einfach mehr Spaß zu sehen wie die jungen Riesen wachsen und gedeihen.  

Siegfried Hubert
Rassekaninchenzucht im Westerwald